15.05.2014
10:42 Alter: 6 yrs
Kategorie: Nachrichten

Von: Helmut Peter Mohr

... und die Mötscher Ewen aus Ewen kamen


Als Mötsch noch Metschit hieß

... und die Mötscher Ewen aus Ewen kamen

 

In meinem letzten Aufsatz für unsere Homepage

"www.bitburg-moetsch.de" in der Regierungszeit

unseres noch amtierenden Ortsvorstehers Josef Klein

möchte ich ihnen eine - fast - wahre Geschichte erzählen.

 

Sie sollen nämlich erfahren, wann und wie ich zu der

Erkenntnis gelangte, dass Mötsch um 1770 noch Metschit

hieß und dass der Mötscher Familienname "Ewen"

womöglich seinen Ursprung im längst verschwunden

Dorf "Ewen" unweit von Matzen hat.

 

Als ich neulich auf meiner Wanderschaft rund um mein

Heimatdorf Mötsch in der Bitburger Kleingartenanlage

den Biergarten zum Zwecke der Restauration aufsuchte,

traf ich dort auf Hermann Josef Fuchs, den Ortsvorsteher

von Matzen, ein lieber Berufskollege von mir aus längst

vergangen Zeiten.

 

Als Mötscher wähnte ich mich eigentlich auf neutralem

Terrain, musste aber, nachdem ich von ihm wissen wollte,

was er denn als Matzener auf Bitburger Gebiet zu suchen

hätte, sehr schnell unter Hinweis auf die am Eingang der

Gartenanlage stehende Ortseingangstafel "Matzen" zur

Kenntnis nehmen, dass ich wohl besser eine andere Frage

gestellt hätte.

 

Weil ich wusste, dass dem umtriebigen Ortsvorsteher von

Matzen die Mötscher 1250-Jahr-Feier von vor zwei Jahren

immer noch schwer im Magen liegt, habe ich nachgesetzt

und ihm provokant die erste urkundliche Erwähnung von

Mötsch in der Schenkungsurkunde (Liber aureus Prumiensis)

Pippins des Jüngeren aus dem Jahre 762 unter die Nase

gehalten und ihn gefragt, ob er denn mittlerweile eine für

Matzen günstigere Urkunde gefunden hätte.

 

Und jetzt kam, was unweigerlich kommen musste:

 

"Soh, well well eich dir mol eppes son: Ees Maatzen hosch

schung Maatzen, do hat ma zo dengem Meatsch noch

Metschit gesot un oußerdäm kommen all eier Ewens ous

eesem Doorf Ewen und sein domat eijentlich Maatzener!"

 

Das war natürlich starker Tobak für mich und ich beharrte darauf, dass er bitteschön den Beweis für seine haarsträubenden Behauptungen antreten möge.

 

Sie ahnen es sicherlich schon:

 

Er konnte es, zumindest teilweise, denn eine Behauptung entpuppte sich als Tatsache und die andere als eine nicht ganz von der Hand zu weisende Auslegungssache.

 

Der österreichische Generalleutnant Joseph Johann von Ferraris erstellte in den Jahren von 1771 bis 1777 im Auftrag von Maria Theresia ein topografisches Kartenwerk von den österreichischen Niederlanden, zu denen damals auch unsere Heimat gehörte.

 

Bei diesem Kartenwerk, auch "Carte de Ferraris" genannt, handelt es sich um 275 handkolorierte Blätter im Maßstab von 1:11.520 in der Größe von etwa 90 x 140 cm.

 

Auf der Karte Nr. 267 mit dem Titel "Bitbourg" sind die Stadt Bitburg und mehrere Dörfer ringsherum verzeichnet.

 

Das Verblüffende auf dieser Karte ist die Tatsdache, dass mit Ausnahme von Mötsch, das damals "Metschit" hieß und Masholder, das damals "Masholderu" hieß, alle anderen Dörfer wie zum Beispiel Matzen, Irsch, Erdorf, Metterich und Stahl schon damals so hießen, wie sie auch heute noch heißen.

 

Auf der bereits erwähnten Karte Nr. 267 ist nahe der Ortschaft Matzen eine Turmruine mit der Bezeichnung "Ehyen Thurm" eingetragen.

 

Hierbei soll es sich um die Überreste der Kirche des damals schon nicht mehr existierenden Dorfes Ewen handeln.

 

Das Dorf entstand wohl vor rund 1000 Jahren und wurde mutmaßlich im Mittelalter aufgegeben, so dass wir heute von der "Wüstung Ewen" sprechen.

 

An den Ort erinnert heute noch ein Steinkreuz (Ewenkreuz) an der Weggabelung am Wirtschaftsweg zwischen dem Sonnenhof und der Kleingartenanlage.

 

Zur Aufwertung der historischen Stelle und Erinnerung an die Geschichte ließ der umtriebige Matzener Ortsvorsteher Hermann Josef Fuchs am 3. Mai 2014 öffentlichkeitswirksam (der Trierische Volksfreund berichtete in seiner Ausgabe Nr. 106 vom 08.05.2014 ausführlich darüber) eine Ruhebank und eine Infotafel aufstellen.

 

Nun ist es durchaus denkbar, dass der eine oder andere Ewener im Nachbardorf, welches man heute Mötsch nennt, die Liebe seines Lebens fand, heiratete und sesshaft wurde.

 

Und weil man im Mittelalter noch keine Familiennamen kannte, hatte der von "Ewen" zugezogene "Ewener" schnell den Beinamen "Ewen" weg.

 

Wenn man einmal davon absieht, dass unmöglich alle in Deutschland lebenden Namensträger "Ewen" oder "Even" aus Ewen bei Matzen stammen können, so hat die Mutmaßung, die Mötscher "Ewen" könnten tatsächlich ihre Wurzeln in Ewen haben, ihren Reitz und ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

 

Ein Mötscher "Ewen", nämlich Dr. theol. Alois Ewen, welcher heute in der von Karl Karinal Lehmann regierten Diözese Mainz lebt und wirkt, war eigens aus der Diaspora zu der Veranstaltung am "Ewenkreuz" angereist, um sich anzuhören, was der Historiker und Leiter des Kreisheimatmuseums Bitburg, Herr Burkhard Kaufmann, über das Dorf seiner mutmaßlichen Altvordern zu sagen hatte und wies als alter Lateiner in der anschließenden Diskussion darauf hin, dass sich der Name "Ewen" womöglich auch von dem lateinischen Wort "avena" oder "avenae" für Hafer ableiten ließe.

 

Am Ende meines Aufsatzes möchte ich mich beim Matzener Ortsvorsteher Hermann Josef Fuchs in aller Form dafür entschuldigen, dass ich seine auf Tatsachen beruhenden Behauptungen anfangs als "haarsträubend" bezeichnet hatte.

 

Und ganz zum Schluss möchte ich, auch im Namen aller Kollegen und Kolleginnen der Redaktion mit Ortsvorsteher Josef Klein an ihrer Spitze, allen regelmäßigen Besuchern unserer Homepage, zu denen, wie ich weiß, ganz besonders Herr Dr. Alois Ewen (für mich als Mötscher ist das immer noch Schmieds Alwis) gehört, für ihre Treue und ihr Interesse an unserem Heimatort Mötsch ein recht herzliches Dankeschön sagen.

 

Euer

HePeMo


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